Aleph Farms erhält Zulassung für kultiviertes Rindfleisch in Singapur – Marktstart 2027

Fast vier Jahre nach Antragstellung hat die Singapore Food Agency (SFA) grünes Licht für den Verkauf des kultivierten Rindersteaks von Aleph Farms gegeben. Damit ist das israelische Unternehmen das erste weltweit, das für sein Produkt gleich in zwei Ländern eine behördliche Zulassung besitzt. Der eigentliche Marktstart lässt aber noch bis 2027 auf sich warten.
Die Singapore Food Agency hat dem israelischen Cleantech-Unternehmen Aleph Farms die Genehmigung erteilt, sein im Labor gezüchtetes „Thin-Cut Steak“ im Stadtstaat zu verkaufen. Bei dem Produkt handelt es sich um eine hybride Innovation: Echte Zellen eines Black-Angus-Rinds werden mittels 3D-Bioprinting mit einer pflanzlichen Proteinmatrix aus Soja und Weizen kombiniert.
Den Antrag hatte Aleph Farms bereits im September 2022 eingereicht. Bis zur Freigabe im August 2026 vergingen damit knapp vier Jahre – ein Zeitraum, den Yifat Gavriel, Leiterin Regulatory Affairs bei Aleph Farms, mit den besonders strengen Anforderungen der SFA an neuartige Lebensmittel begründet.
Singapur als Vorreiter bei Laborfleisch
An dieser Stelle lohnt sich eine Einordnung: Singapur ist tatsächlich das Land, das 2020 als erstes weltweit überhaupt ein kultiviertes Fleischprodukt zugelassen hat – damals handelte es sich um Hühnerfleisch der Marke Good Meat von Eat Just. Seitdem kamen weitere Zulassungen hinzu, etwa 2024 für kultiviertes Wachtelfleisch von Vow sowie 2025 für kultivierte Wachtelprodukte als Tierfutter. Mit der aktuellen Genehmigung zählt der Stadtstaat inzwischen sechs zugelassene kultivierte Fleischprodukte und liegt damit sogar vor den USA.
Die jetzige Aleph-Farms-Zulassung ist in Singapur allerdings die erste für kultiviertes Rindfleisch – bislang betrafen alle dortigen Freigaben Geflügel. Global gesehen ist Aleph Farms zudem bereits Inhaber der weltweit ersten Rindfleisch-Zulassung überhaupt: Diese hatte das Unternehmen im Dezember 2023 beziehungsweise Januar 2024 in seinem Heimatland Israel erhalten, ausgesprochen vom israelischen Gesundheitsministerium. Singapur ist somit „nur“ der zweite Markt für dasselbe Produkt – macht Aleph Farms damit aber zum ersten Hersteller weltweit, der in zwei Ländern gleichzeitig über eine Rindfleisch-Zulassung verfügt.
Kurz gesagt: Singapur ist Vorreiter bei kultiviertem Fleisch im Allgemeinen, Israel war Vorreiter bei kultiviertem Rindfleisch im Speziellen.
Marktstart erst 2027 – über ausgewählte Restaurantpartner
Trotz der Zulassung müssen sich Verbraucher in Singapur noch gedulden: Aleph Farms plant den tatsächlichen Verkaufsstart erst für das erste Halbjahr 2027, zunächst exklusiv über ausgewählte Restaurantpartner, deren Namen das Unternehmen bislang nicht nennt. Produziert wird das Fleisch beim Auftragsfertiger Cell Agritech vor Ort in Singapur.
CEO Didier Toubia bezeichnet Rindfleisch als Produkt, das gleichzeitig Premium- und Massenmarkt bediene. Seine Strategie setzt dabei bewusst auf regionale Partner und bestehende Lieferketten statt auf eigene Produktionsanlagen – kultiviertes Fleisch soll die konventionelle Erzeugung ergänzen, nicht kurzfristig ersetzen.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, denn die Branche steckt insgesamt in einer schwierigen Konsolidierungsphase: Believer Meats ist insolvent, für die Anlagen von Upside Foods laufen bereits Übernahmegebote. Auch in Deutschland gab es mit der Insolvenz von Alife Foods 2024 einen prominenten Rückschlag.
Und wie sieht es mit einem Start in Deutschland aus?
Für den deutschen und europäischen Markt bleibt die Lage vorerst unverändert: Eine EU-weite Zulassung für kultiviertes Fleisch gibt es bislang nicht. Das Verfahren nach der Novel-Food-Verordnung gilt als besonders langwierig und kostenintensiv – Schätzungen gehen von mindestens 18 Monaten Prüfzeit und Kosten in Millionenhöhe aus, in der Praxis dauert es meist deutlich länger.
Aleph Farms selbst hatte bereits im Juli 2023 als erstes Unternehmen europaweit einen nationalen Zulassungsantrag gestellt – nicht direkt bei der EU, sondern in der Schweiz, in Kooperation mit dem Handelskonzern Migros. Die Schweiz ist zwar kein EU-Mitglied, hätte aber als erstes europäisches Land eine echte Vorreiterrolle einnehmen können. Eine Entscheidung steht dort weiterhin aus. Auch in Großbritannien laufen nach Unternehmensangaben Anträge von Aleph Farms, ebenso wie in Thailand.
Für die eigentliche EU liegen inzwischen erste Anträge anderer Unternehmen vor: Das französische Startup Gourmey beantragte 2024 als erstes Unternehmen überhaupt eine EU-Zulassung, und zwar für kultivierte Stopfleber. Auch das niederländische Unternehmen Mosa Meat sowie das deutsche Startup The Cultivated B befinden sich Berichten zufolge in Vorgesprächen mit der EU-Lebensmittelbehörde EFSA. Eine EU-Zulassung speziell für Aleph Farms‘ Rindfleisch ist zwar beantragt, eine Entscheidung der Behörde liegt aber ebenfalls noch nicht vor.
Für Deutschland heißt das konkret: Bevor kultiviertes Rindfleisch von Aleph Farms oder einem anderen Hersteller hierzulande überhaupt legal verkauft werden dürfte, müsste zunächst eine EU-weite Novel-Food-Zulassung durch die Europäische Kommission erfolgen. Angesichts der bisherigen Verfahrensdauern in Israel (rund ein Jahr bis zur Zulassung) und Singapur (fast vier Jahre) ist selbst bei zügiger Bearbeitung kaum vor Ende der 2020er-Jahre mit einem möglichen Marktstart in Deutschland zu rechnen – vorausgesetzt, die angeschlagene Branche übersteht die aktuelle Konsolidierungsphase überhaupt in ausreichender Zahl an Unternehmen.
Quellen: Singapore Food Agency, Aleph Farms, cleanthinking.de, top agrar, Green Queen, GFI Europe